Begrasungs Howto
 
 

Realistische Vegetation ist nicht einfach nachzubilden. Zwar hält die Modellbahnindustrie eine große Menge unterschiedlicher Materialien zur Oberflächengestaltung bereit, deren alleiniger Einsatz aber nicht immer zu befriedigenden Ergebnissen führt. Ein altes Problem stellen Kornfelder, Wiesen und Gräser dar. Entscheidend für den "echten" Eindruck sind stehende Halme.

Begrasungs-Howto

Industrieprodukte

Versuche aufrecht stehende Halme dem Modellbauer anzubieten gibt es schon lange. Jeder kennt sicher die "Grastapeten Typ Sommerwiese". Diese Papierbahnen sind allenfalls mit farblicher Nachbehandlung zu ertragen, die Verlegung auf geschwungenem Untergrund ist problematisch und die gleichmäßige Wuchshöhe passt höchstens zu einem Fußballplatz. Relativ neu auf dem Markt sind die Matten-Produkte, wie sie Silflor oder Heki als "Wildgras" anbietet. Bei diesen Materialien sind die Fasern auf einem Netzartigen Träger aufgebracht, wobei immer noch das monotone Aussehen der Matten eine aufwendige Verarbeitung in Form eines Flickentepichs notwendig macht. Nachteilig ist auch die große Dicke des Trägermaterials, das an Wuchskanten sichtbar wird. Aber vor allem der Anschaffungswiderstand ist etwas hoch für massenhafte Verarbeitung. Dagegen bekommt man lose Fasern ohne Probleme zu einem kleine Preis.

Alternativen

Allen Industrieprodukten, auch den geliebten Fertiggelände, liegt das gleiche Herstellungsverfahren zugrunde. Die Fasern werden mit Hochspannung elektrisch aufgeladen und von dem statischen Feld regelrecht in eine Kleberfläche geschossen. Für den Heimgebrauch bietet die Industrie verschiedene Spritzflaschen und eine Art Fön an, die mit Reibung, ähnlich wie bei Wollkleidung, die Fasern aufladen sollen. Bei mir hat das mit der Sprühflasche nie richtig geklappt. Daneben gibt es ein semiprofessionelles Gerät, dass mit echter Hochspannung arbeitet. Mir was dafür das Geld zu schade, es ist aber eine Alternative, wenn man nicht selbst löten möchte.

Selbstbau

Achtung: Hochspannung ist lebensgefährlich!

Darum ist das hier keine Bauanleitung, sondern nur eine Beschreibung, wie ich das gebaut habe. Wer die Schaltung nicht versteht: Finger weg! Wer seinen Hamster damit in den Hamsterhimmel befördert: Selbst schuld! Wem die Bude abbrennt: Dumm gelaufen! Wer damit seinen Herzschrittmacher platt macht: Pech gehabt! Kurz gesagt:

Keine Haftung bei Schäden!

Die notwendige statische Hochspannung von mindestens 5kV zu erzeugen ist nicht schwer: Ein Printtrafo 6V erzeugt 600V und die wird mit der Kaskade vervielfacht. Beim Aufbau auf Lochraster ohne Cu-Auflage habe ich festgestellt, dass man runde Kugeln löten muss, da man an Spitzen zu viel Leistung durch Sprühen verliert.

Schaltplan (anklicken für größere Darstellung)

Von der Sonne verbranntes Gras auf dem Bahnhof Bogen. Modulbau: Jörg-Stefan Ralf

Hier war wohl gerade der Unkraut-Ex-Zug unterwegs. Die verdörrten Gäser "wachsen" wie beim Vorbild aus der Erde. Bei den Indsustriematerialien würde bei diesen Tupfen immer das Trägermaterial durchschimmern.

Letzte Änderung dieser Seite: 13.10.2007

© 2003-2007 Edward von Flottwell

Mechanischer Aufbau

Die gesamte Platine habe ich in ein Abflussrohr aus dem Baumarkt eingebaut, an dass ich ein Adapterstück für Steingut-waschbecken angeklebt habe. Da passen genau die weichen Deckel von Chipsdosen (extra schaf) drauf . In den Deckel habe ich ganz viele Löcher geschnitten, etwa 5mm groß. Das Gerät betreibe ich mit einem Modellbahntrafo, wichtig ist die Erdung der 600V Seite, damit es keine Wicklungsdurchschläge gibt. Als Elektrode dient ein Stück dreieckige Platine. Den Landschafts-Pol erde ich mit einer Stecknadel mit Kabel dran, die einfach in den Leim gepiekst wird.

Hohes Gras vor einer V100

Zusammenfassung

  1. -Wie soll man realistische Vegetaion nachbilden?

  2. -Was bietet die Industrie an?

  3. -Eine Möglichkeit ist die elektrostatische Begrasung

  4. -Wie habe ich so ein Begrasungsgerät gebaut?

Handhabung

Das ausgeschaltete Gerät wird etwa 1/5 mit Fasern befüllt. Dann wird der nicht zu stark saugende Untergrund mit extrastarkem Tapetenkleister eingestrichen. Weißleim eignet sich nicht so gut, da er sehr schnell eine Haut bildet. Außerdem können Fehlversuche beim Tapetenkleister sehr einfach korrigiert werden. Dem Kleister rühre ich dick an, etwa wie Gele und töne ich meist etwas ab.

Die Umgebung sollte mit Zeitungen abgedeckt werden, da eine Menge Fasern am Modul vorbeifliegen. An der Zeitung bleiben sie nicht wie bei Plastikfolie kleben und können wiederverwendet werden.

Dann wird der Elekrtostat eingeschaltet und die Fasern durch Schütteln gepflanzt. Damit keine Absätze entstehen, sollten Felder in einem Zug bearbeitet werden.

So sieht der fertige Acker aus. Nach dem Trocknen, etwa ein Tag, werden die losen Fasern mit einem Tischstabsauger zurückgewonnen. Nun kann die Nachbehandlung mit Airbrush oder Flocken folgen.

Noch mal eine Seitenansicht. Die Fasern stehen wirklich nach oben, nur am Rand zeigen meist einige Fasern herunter, die man aber abbürsten kann.